Sechs Gründe warum wir die Beschäftigung mit unserer eigenen Sterblichkeit trotzdem aufschieben, obwohl wir wissen, dass es wichtig ist, sich darüber Gedanken zu machen. Es geht selten dabei um Gleichgültigkeit.
Die Inhalte dieses Blogartikels:
Kennst du das?
Du nimmst dir vor, dich endlich um die Dinge zu kümmern, die dein eigenes Lebensende betreffen. Aaaaber: dann kommt etwas dazwischen.
Der Alltag ruft regelmäßig sehr laut, die Arbeit stapelt sich, die Familienmitglieder haben unterschiedliche Bedürfnisse, eine dringende Kleinigkeit ploppt auf. Und schon findet der Gedanke „Das eilt ja nicht“ seinen Weg zurück in den Kopf.
Das Thema, das immer warten muss. Wirklich?!
Irgendwann fällt gar nicht mehr auf, dass das Thema schon wieder zur Seite gerutscht ist. Dieses Aufschieben ist kein Zeichen dafür, dass dir die Menschen um dich herum egal sind oder dass dir dein eigenes Leben nicht wichtig ist. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall.
Man möchte alles richtig machen, niemandem zur Last fallen und vor allem nichts Falsches entscheiden. Gerade dieser hohe Anspruch lässt das Thema so schwer werden.
Schauen wir uns deshalb genauer an, woran es liegen kann, dass wir uns trotz bester Absichten nicht kümmern.
Unsicherheit lässt uns hadern und aufschieben (© George Dulishkovych on Unsplash)
Warum wir unsere Lebensende-Vorsorge trotzdem aufschieben
Dass wir uns nicht um unsere eigene Sterblichkeit und all die Fragen, die damit zusammenhängen, kümmern, liegt selten an Gleichgültigkeit.
Meist stecken sehr menschliche Gründe dahinter:
Du weißt nicht, wo du anfangen sollst
Das Thema wirkt riesig: Dokumente, Begriffe, Zuständigkeiten, Gespräche und Gefühle scheinen alle gleichzeitig zu gelten. Wenn der Anfang fehlt, bleibt man lieber gar nicht erst dran.Die juristische Seite wirkt für dich abschreckend
Formulare und Paragrafen erzeugen schnell das Gefühl, man bräuchte einen Fachmann, bevor man überhaupt angefangen hat. Die Folge: wir schieben unsere Vorsorge kurzerhand komplett an die hinterste Stelle.Es ist dir emotional zu nah
Wer an das eigene Lebensende denkt, kommt dem eigenen Ende gedanklich näher. Das fühlt sich unangenehm an, also weicht man aus. Doch, was eine ganz nachvollziehbare, menschliche Reaktion ist, bedeutet in der Konsequenz, dass wir unsere Sterblichkeit verdrängen und es zu den anderen in das Regal unserer Tabuthemen zu stellen.Du hast das Gefühl, noch Zeit zu haben
Solange es einem gut geht, scheint der Druck gering. Dabei ist genau diese Zeit die, in der man am ruhigsten nachdenken könnte.Du redest nicht gerne darüber
Auch gesellschaftlich ist das Thema schwer greifbar. Laut einer Umfrage des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) meinten 2022 rund 60 Prozent der Deutschen, dass sich die Gesellschaft zu wenig mit Sterben und Tod befasst.
Die Mehrheit spürt also, dass hier etwas fehlt – und trotzdem fällt es im eigenen Alltag so schwer, ein Gespräch über das Lebensende mit seinen Angehörigen zu führen. Das Schwierige daran: überhaupt erst den ersten Satz zu sagen.Du verdrängst das Thema
In der genannten Umfrage des DHPV wird zudem klar, dass zwar jeder Dritte schon einmal über eine Patientenverfügung nachgedacht hat, das Thema aber verdrängt oder mangels Zeit hinten angestellt und damit ganz automatisch auch seinen Tod verdrängt.
Das Aufschieben der Lebensende-Vorsorge ist also selten Desinteresse. Es ist Überforderung, Unsicherheit und der natürliche Impuls, unangenehme Gedanken wegzuschieben – aber kein persönliches Versagen.
Der erste kleine Schritt bringt oft schon Erleichterung (© Emma Simpson on Unsplash)
Hab Mut, es trotzdem anzugehen
Wenn du beim Lesen einige dieser Gründe bei dir wiedererkannt hast, ist das kein Grund zur Selbstkritik. Es zeigt eher, dass dir das Thema nicht gleichgültig ist. Du musst dich nicht sofort mit allem auseinandersetzen und du musst auch nicht jede Hürde überwinden, bevor du anfängst.
Vielleicht beginnt es mit dem Gedanken, dass du dich um dein eigenes Lebensende kümmern darfst, weil Klarheit dir selbst und den Menschen, die du liebst, Ruhe schenkt. Jeder kleine Schritt zählt, und er muss nicht perfekt sein!
Kümmere dich. Nicht irgendwann, sondern in deinem Tempo, aber mit dem Entschluss, dass es jetzt beginnen darf. Denn die Zeit, in der es dir gut geht, ist die beste Zeit dafür.
Alles Liebe,
Deine Kathrin